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Energiesicherheit muss vor Netto-Null kommen


Der folgende Meinungsbeitrag wurde vom INEOS-Vorstandsvorsitzenden Sir Jim Ratcliffe verfasst

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Gab es jemals einen besseren Zeitpunkt über Energiesicherheit zu sprechen als jetzt? Der Krieg im Iran begann gerade vor etwas mehr als einer Woche. Schon jetzt sehen wir massive Auswirkungen auf unsere Energiepreise und unsere Energiesicherheit. Innerhalb einer Woche, in der Brent Crude Rohöl die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritt, stiegen die europäischen Gaspreise deutlich. Zudem verfügen wir nur über begrenzte strategische Gasvorräte in Europa. Wir brauchen also dringend eine Neubewertung unserer Prioritäten.

Nichts ist für die nationale Sicherheit wichtiger als Energieunabhängigkeit. Ohne zuverlässige Energieversorgung sind in einer Konfliktsituation das Betreiben von Krankenhäusern, das Aufrechterhalten des Verkehrs und der industriellen Produktion sowie notwendige Versorgungsleistungen wie Wärme und Licht gefährdet. Unsere strategische Verteidigungsfähigkeit wird gerade dann völlig untergraben, wenn wir sie am dringendsten benötigen. Ohne zuverlässige Energieversorgung sind die europäischen Länder erheblich beeinträchtigt.

Die Weltlage wird immer turbulenter. Global gibt es zahlreiche Konflikte. Eine erhebliche Eskalation zeichnet sich derzeit im Nahen Osten ab. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass diese Auseinandersetzungen abklingen. Oder dass die Menschen plötzlich zu einer friedlichen Spezies werden. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass diese Konflikte unmittelbare und dramatische Auswirkungen auf unsere Energiesicherheit haben – wie der Krieg in der Ukraine und die aktuelle Krise im Nahen Osten belegen.

Die Energiepreise in Europa sind seit Beginn des Iran-Kriegs in die Höhe geschossen. Dies zerstört die Industrie, das verarbeitende Gewerbe und unsere Wettbewerbsfähigkeit. Unsere Abhängigkeit von ausländischen Energieversorgern nimmt noch zu. Sie haben uns dort, wo sie uns haben wollen – im Schwitzkasten.

Die Energiepreise in den USA sind weitgehend stabil geblieben, da das Land energieunabhängig ist. Deren Wirtschaft wird nicht durch extrem hohe Energiepreise in Mitleidenschaft gezogen. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten und langfristigen Politik, die in Amerika Energieunabhängigkeit priorisiert. Sie haben die Erschließung neuer Ölfelder im US-Golf und gleichzeitig die Onshore-Förderung von Öl und Gas aus Schiefergestein vorangetrieben. Dies ging nicht zu Lasten der Investitionen in erneuerbare Energien, die neben den Investitionen in Öl und Gas zügig fortgesetzt wurden und die Energieunabhängigkeit der USA weiter stärkten.

Für mich ist völlig klar, dass unsere vorrangige Strategie darin bestehen sollte, Energieunabhängigkeit zu erreichen. Netto-Null-Ambitionen sind gute Ziele, sollten aber eindeutig an zweiter Stelle stehen. Neben dem Bau neuer Kernkraftwerke und zusätzlicher Windkraftanlagen sollte Europa die Energiegewinnung aus der Nordsee maximieren. Wie die USA gezeigt haben schließt sich dies nicht gegenseitig aus. Wir dürfen nicht zulassen, dass Ideologie den gesunden Menschenverstand trübt und die nationale Sicherheit gefährdet. Energiesicherheit muss Vorrang vor starren Netto-Null-Zielen haben.

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