Kunststoffe und Umwelt

Für INEOS haben die Bereiche Sicherheit, Gesundheit und Umwelt oberste Priorität. Als Hersteller von Kunststoffen sieht sich INEOS in Köln in der Pflicht, das Thema Kunststoff mit größter Umsicht zu behandeln. Denn: Kunststoffe sind ein wertvolles Material. Jedoch hat Kunststoff als Abfall in der Umwelt nichts verloren.

An allen INEOS-Standorten weltweit gilt jedes verlorene Stück Kunststoffgranulat als inakzeptabel. Bereits seit einigen Jahren führt der Kölner Standort zahlreiche Maßnahmen durch, um den Eintrag des Granulats in die Umwelt zu vermeiden. 2016 haben wir dazu auch die Selbstverpflichtung „Operation Clean Sweep“ unterschrieben. Zudem führen wir laufend eigene Untersuchungen der industriellen Abwässer unserer Anlagenbetriebe durch. Insofern nehmen wir die aktuellen Untersuchungen des Rhein durch Greenpeace sehr ernst.

In der standorteigenen Kläranlage von INEOS in Köln werden die in unseren Anlagen anfallenden Betriebsabwässer u. a. durch Abscheidesysteme geleitet und einer mechanischen Reinigung unterzogen. Darin befindliche Feststoffpartikel mit einer Größe ab 0,25 Millimeter werden dabei zurückgehalten. Da die von INEOS in Köln hergestellten Kügelchen etwa eine Größe von 3 Millimeter aufweisen, wird deren Eintrag über den Auslass der Kläranlage in den Rhein vollständig unterbunden. Dies haben die Ergebnisse unserer Untersuchung nochmals bestätigt.

Behandlungsbedürftige Abwässer am Standort von INEOS in Köln werden auf direktem Wege zur Kläranlage geleitet. Daneben gibt es noch einen Regenwasserkanal, der direkt in den Rhein mündet. Weiterhin mündet der Kölner Randkanal, der u. a. den Rhein-Erft-Kreis entwässert, in den Rhein. Für die von INEOS in Köln in diese Kanalsysteme eingeleiteten Oberflächenwässer ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine mechanische Reinigungsanlage installiert. Daher kann derzeit ein Eintrag von Feststoffen, u. a. Kunststoffpartikel aus unserer Produktion, in den Rhein über diese beiden Systeme nicht ausgeschlossen werden.

INEOS in Köln nimmt die aktuellen Untersuchungen von Greenpeace zum Anlass, die bereits laufenden Maßnahmen zur Vermeidung von Feststoffeinträgen in den Rhein weiter zu intensivieren und insbesondere die Abscheidesysteme im Oberflächenwasser- bzw. Regenwassersystem so nachzurüsten, dass der Eintrag von Granulat auch dort in Zukunft minimiert und in weiterer Folge ausgeschlossen werden kann.

Kampf dem Plastikmüll
Die Kunststoffbranche wird von der Bevölkerung zunehmend negativ betrachtet. Was kann also INEOS als einer der größten Kunststoffhersteller tun, um einen Beitrag zur Diskussion zu leisten und dazu beizutragen, das tatsächliche Problem, nämlich Plastikmüll, anzugehen?

Unsere Gesellschaft wäre ohne Kunststoff verloren. Das hat sich gerade in der aktuellen Coronaviruspandemie wieder deutlich gezeigt, Stichwort: Hygiene. Kunststoff wird in den Medien und in den sozialen Netzwerken jedoch an den Pranger gestellt. So stellte beispielsweise der britische Journalist Hugh Fearnley-Wittingstall vor Millionen Zuschauenden im Fernsehen die Frage, ob ein Unternehmen wie INEOS weniger Kunststoff herstellen solle oder gar nicht mehr: „Je mehr Kunststoff diese Branche herstellt, desto mehr ist Kunststoff Teil unseres Lebens – ob wir es wollen oder nicht“, stellte er vor dem Fernsehpublikum in den Raum. Der Schwerpunkt der dreiteiligen BBC-Serie „War on Plastic“ lag auf Einwegkunststoffverpackungen.

„Die Kernaussage bestand darin, dass Kunststoffverpackungen schlichtweg schädlich sind“, so INEOS-Kommunikationsdirektor Tom Crotty. „Die Tatsache, dass Lebensmittelabfälle durch Verpackungen verringert werden können, weil sie Lebensmittel länger frisch halten, wurde nicht erwähnt.“ Noch ärgerlicher für INEOS war jedoch, dass nicht erwähnt wurde, wie wichtig Kunststoff in unserem Alltag ist. Dadurch wurde den Zuschauenden das Gefühl vermittelt, dass jeglicher Kunststoff schlecht sei. „Der Großteil der weltweit zunehmenden Verwendung von Kunststoff ist nicht durch Verpackungen bedingt“, erklärt Crotty. Kunststoff wird vor allem von der pharmazeutischen Industrie und Krankenhäusern, der Bau- und der Maschinenbauindustrie sowie Autoherstellern benötigt. Durch Isolierung werden moderne Gebäude deutlich energieeffizienter. Hygieneartikel wie Masken und Einmalhandschuhe, Herz-Stents, Katheter, Spritzen, Blutbeutel, Prothetik, Pillenblister, MRT-Geräte, Inkubatoren, Dialysemaschinen sowie sterile pharmazeutische Verpackungen sind aus Kunststoff gefertigt, auch OP-Säle sind damit ausgestattet. Kunststoffrohre – deren Installation einfacher und kostengünstiger ist – werden in einigen der ärmsten Teile der Welt verwendet, um Dorfbewohnende mit Frischwasser zu versorgen. „80 Prozent unseres Kunststoffs wird für solche Zwecke eingesetzt, nicht für Verpackungen“, erklärt Tom Crotty. „Das ist es, was unser Wachstum ankurbelt. Das ist weit mehr als Trinkhalme oder Rührstäbchen. Wachstum entsteht nicht dadurch, dass man mehr Kunststoff herstellt“, erklärt er weiter. „Es entsteht durch die Verbrauchsnachfrage nach Kunststoff.“

INEOS produziert jährlich Milliarden an durchsichtigen Kunststoffgranulaten für andere Branchen. Tom Crotty erklärt weiter, dass 100 Prozent aller INEOS-Polymere recycelt werden können, aktuell jedoch nur 14 Prozent des Kunststoffs recycelt wird. „Der Großteil landet auf Deponien, was Verschwendung ist“, so Crotty. „Wir wollen recycelte Kunststoffabfälle als Rohstoff verwenden, denn Kunststoff soll mehrmals verwendet werden. Und wenn er sein Lebensende erreicht hat, kann die Energie, die bei der Verbrennung frei wird, zurückgewonnen werden.“ Siehe dazu auch INCH-Ausgabe 16 von 2019 "Kampf dem Plastikmüll" und "Zero Pellet Loss". 

INEOS arbeitet derzeit an einem möglichen Verfahren für das chemische Recycling von Kunststoff. So würde Kunststoff mittels eines neuen, bahnbrechenden nicht-mechanischen Verfahrens wieder in seine ursprüngliche molekulare Struktur umgewandelt, damit er als Rohstoff wieder für Kunststoffverarbeitungsverfahren verwendet werden kann.

„Dieser heilige Gral des Kunststoffrecyclings wird in Kürze Realität sein, was bedeutet, dass wir bei der Herstellung unserer Produkte unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern können“, fährt Crotty fort. INEOS hat mit Pyrowave, Agylix und GreenMantra Vereinbarungen über die gemeinsame Entwicklung abgeschlossen. Mithilfe der patentierten Technologie dieser Partnerunternehmen und der INEOS-Fertigungsinfrastruktur könnten Kunststoffabfälle wieder zu chemischen Monomer-Bausteinen umgewandelt werden. „Diese Bausteine werden bei unserem Polymerisationsverfahren einen Anteil der ursprünglichen, unbearbeiteten Rohstoffe ersetzen“, erklärt Crotty. INEOS und PLASTIC ENERGY planen gemeinsamen Bau einer neuen Anlage für modernes Kunststoffrecycling. Sehen Sie dazu auch die Pressemitteilung vom 22. April 2020. Hier der Link dazu. Am 17. Oktober 2019 hat INEOS zudem eine Reihe von bio-attribuierten Olefinen und Polyolefinen angekündigt, die auf nachwachsenden bio-basierten Rohstoffen beruhen und nicht mit der Lebensmittelproduktion im Wettbewerb stehen. Hier der Link dazu. 

INEOS in Köln unterstützt regelmäßig Aufräumaktionen im unmittelbaren Standortumfeld. Hier zwei Beispiele: Am Samstag, 12. September 2020, haben sich 25 Beschäftigte, davon 20 Auszubildende und dual Studierende, beim Rhein CleanUp beteiligt. Hier der Link dazu. Im Sommer 2019 waren Schülerinnen und Schüler aktiv rund um das neue Verwaltungsbebäude. Hier der Link dazu. 

Rhein CleanUp


Zudem ist INEOS bestrebt, „Zero Pellet Loss“, die Vermeidung des Eintrags von Kunststoffgranulat in die Umwelt, zu praktizieren – sowohl an den eigenen Standorten als auch über Spediteure und Kunden aufgrund der Verpflichtung im Rahmen der Initiative „Operation Clean Sweep“ (OCS), der weltweiten Initiative der Kunststoffbranche zur umsichtigen Handhabung von Kunststoffgranulat, Meere zu schützen. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Initiative zur Vermeidung des Eintrags von Kunststoffgranulaten in die Umwelt. Laut INEOS hat „Operation Cleansweep“ die Art, wie es seine weltweiten Standorte betreibt, verändert: intensive Schulung, kollegialer Austausch zu bewährten Verfahren zwischen den Standorten, Betrachtung der gesamten Lieferkette und erhebliche Investitionen, unter anderem in die Neukonzeption der Polymerförder- und Polymerverladetechnik. Darüber hinaus hat die Initiative den Betrieben ein Rahmenkonzept zur Eigenbeurteilung ihrer Leistungen zur Verfügung gestellt. An den INEOS-Standorten gilt selbst ein verlorenes Stück Granulat als inakzeptabel.

Hier eine Übersicht über die Maßnahmen zu „Zero Pellet Loss“ am Standort Köln

  • Diese Maßnahmen umfassen die Erzeugung, Probenahmen, Qualitätssicherung und die Logistik.
  • Regelmäßige Schulung aller Beschäftigten und Logistikunternehmen zum Thema „Zero pellet loss“ und Mikroplastik
  • Anschaffung von neuem Reinigungsequipment (EX-Staubsauger für die Anlagen)
  • Das Firmengelände wird mit einem Kehrwagen abgefahren
  • Austauschprogramm zum Einbau neuer Förderschleusen (Zellradschleusen) zur Vermeidung von Staubleckagen gestartet
  • Ertüchtigung der Siebe im Kanalsystem gestartet
  • Optimierung der Probenahmestellen (Granulat, Pulver) zur Vermeidung von Emissionen gestartet
  • Abdeckung der Restmengenbehälter zur Vermeidung von Polymeraustrag durch Wind
  • Regelmäßiger Austausch mit anderen INEOS-Standorten zum Thema Operation Clean Sweep und Austausch über „beste Praktiken“
  • Durchführung von internen Audits nach externem Standard
  • Ausgetretenes Granulat wird beseitigt
  • Korbfilter und Auffangbecken zur Vermeidung von Granulataustrag
  • Sämtliche behandlungsbedürftige Abwässer werden durch Abscheidesysteme geleitet; hierbei werden darin befindliche Pellets abgeschieden; in einem weiteren Aufreinigungsschritt in der biologischen Abwasserreinigung werden ev. noch vorhandene Partikel zweistufig über Siebe zurückgehalten
  • Aufgefangenes Granluat wird einem externen Verwerter zugeführt, der das Polymer zur Herstellung von Kunststoffprodukten verwendet
  • Beschäftigte nehmen an Reinigungsaktionen auch außerhalb des Standorts teil (Rhein CleanUp)
  • Verladeteleskope wurden optimiert, um Granulataustrag bei der Befüllung von Lkw zu vermeiden
  • Die Polymerfördertechniken wurden optimiert, um die Bildung von Polymerstäuben während der Granulatförderung zu minimieren

Weitere geplante Maßnahmen

  • Erweiterung der vorhandenen Reinigungsanlagen (fest installiertes Staubsaugersystem)
  • Austausch von Absack-und Palettieranlagen: Paletten mit Polymersäcken werden statt mit Schrumpf- dann mit Stretchfolie versehen; diese lässt sich leichter entfernen und vermeidet somit Granulatverluste beim Kunden Umsetzung in Q1/2021
  • Austausch der Austragbarriere (mechanische Sperre am Werkzaun) wird in Q4/2020 gestartet
  • Installation einer Ultrafiltrationseinheit im Vollstrom der Kläranlage K31 zum vollständigen Rückhalt von Mikroplastik
  • Ertüchtigung der Abscheidesysteme im Oberflächenwasser-/Regenwassersystem